21.11.2007
Von: HR
Auf vielen Ebenen aktiv
Bei der ersten Betriebsräteversammlung von Nokia Siemens Networks gab es vergangenen Dienstag in München keinen Mangel an Themen. Im Vordergrund standen die Probleme der letzten Monate; wie der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Georg Nassauer es in seiner Ansprache ausdrückte: "Das Straucheln hält an."
Betriebsräte aus allen deutschen NSN-Standorten waren nach München gekommen, um gemeinsam mit KollegInnen des Tochterunternehmens SRI Radio Systems, von Nokia und vom Neuerwerb Vivento Technical Services auf die Monate seit dem Start des Joint Ventures zurückzublicken und die Position der Interessenvertretung für das kommende Jahr zu bestimmen. Als Vertreter der Geschäftsführung waren Lydia Sommer und Arbeitsdirektor Olaf Horsthemke anwesend, um die Sicht des Managements darzustellen.
Nassauer fasste in seiner Einführungsrede die wesentlichen Ereignisse seit April zusammen und sparte nicht mit Kritik: Der wegen Siemens' interner Probleme verspätete Start des Unternehmens war nicht eben glücklich verlaufen, schon folgte die Ankündigung eines umfangreichen Personalabbaus, der nur durch den massiven Widerstand von Beschäftigten, Betriebsräten und IG Metall spürbar abgemildert werden konnte.
Seitdem, so Nassauer ironisch, wird NSN von den Beschäftigten vor allem mit den Business Units "Mapping, Restrukturierung, Outsourcing und Flächenreduzierung" wahrgenommen. Besonders das Ausgliedern sorgte für Verunsicherung und weitere Konflikte. Einen Ausschluss lehnte das Management bekanntlich rundweg ab und ließ sich nur widerwillig zu der Erklärung hinreißen, dafür gebe es keine Pläne; fast unmittelbar folgte die Ankündigung, 230 Stellen zu IBM und rund 70 zu Wipro auslagern zu wollen.
Ausgliederung von RA zu Wipro: so nicht!
Besonders letzteres erwies sich in praktisch jeder Hinsicht als Fehlgriff. Das offenbar auf eigene Faust durchgezogene Vorgehen der Leitung der Business Unit Radio Access verstieß gegen das Betriebsverfassungsgesetz und die vertrauensvolle Zusammenarbeit; die betroffenen Berliner Kollegen und ihr Betriebsrat wehrten sich entschlossen und konnten den Plan kippen (siehe Auslagerung zu Wipro vom Tisch).
Die örtlichen Betriebsräte, der Gesamtbetriebsrat und die IG Metall sind sich einig, dass sie derartige Versuche auch in Zukunft nicht hinnehmen werden, so Nassauer: "Auch wenn gesetzliche Grundlagen eingehalten werden, kann es nicht sein, dass Kolleginnen und Kollegen auf diese Art und Weise entsorgt werden sollen."
"Der GBR und die Taliban"
Ein weiterer wichtiger Punkt der Interessenvertretung ist die Einrichtung eines Europäischen Betriebsrats, die derzeit anläuft. Nassauer berichtete von den Hoffnungen, die Kollegen anderer Länder in dieses Gremium setzen und betonte, entgegen der Meinung vieler Manager gebe es nicht etwa in Deutschland zu viel, sondern anderswo zu wenig Mitbestimmung. Nur so könne man sich dagegen wehren, von den folgen der Globalisierung überrollt zu werden. Zum Beispiel beim Job Grading, das mittlerweile überall eingeführt sei außer in Deutschland und Afghanistan, so Nassauer augenzwinkernd: "Das erklärt endlich den Satz, "Die deutsche Frage entscheidet sich auch am Hindukusch... Ja, der GBR und die Taliban."
Tragfähiges Standortkonzept und Innovation gefordert
Ohne jeden Humor hingegen fordert der Gesamtbetriebsrat weiter ein nachhaltiges Standortkonzept ein, das Innovationen vorantreibt und zu dem auch Fertigungsstandorte gehören: "Weil es eben nicht so ist, dass morgen irgendwo in der Welt mit der gleichen Qualität und Flexibilität gefertigt werden kann wie hierzulande."
Die Betriebsräte jedenfalls müssen weiter "auf vielen Ebenen aktiv sein, um für unsere Beschäftigten das Optimum zu erreichen" - auch, wenn zu hoffen ist, dass NSN das Schlimmste hinter sich hat.