27 Prozent mehr

Oktober 31, 2011 0 Von Jan Eggers

Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz untersuchte zum 4. Mal die Höhe der Vergütungen und die Entwicklung der Vergütungssysteme von Aufsichtsräten.

Entgelte steigen um 27 Prozent

Wenig überraschend ist der Anstieg der Vergütungen im Aufschwung nach der Krise von 2008/2009. Im Geschäftsjahr 2010 wurden insgesamt fast 65 Millionen Euro an die Kontrolleure gezahlt. Am großzügigsten zeigt sich VW, gefolgt von E.on und Siemens. Für Aufsichtsratsmitglieder und Vorsitzende stiegen die Bezüge innerhalb eines Jahres um rund 27 Prozent – eine Steigerung, von der normale Beschäftigte nur träumen können.

Variable Anteile kontraproduktiv

Hauptursache des enormen Anstiegs ist die konjunkturbedingte Zunahme bei den variablen, erfolgsabhängigen Vergütungen. Die DSW befürwortet in diesem Zusammenhang erneut, variable Bestandteile zugunsten einer festen Vergütung zu streichen. Sie argumentiert, es sei widersinnig, dass in schwierigen Zeiten die erfolgsbezogene Vergütung sinke, während die Arbeitsbelastung gerade dann steige.

Diversity: Frauenanteil steigt nur langsam

Im Ranking der nach Mandaten mächtigsten Aufsichtsräte erscheint laut DSW die erste Frau mit Renate Köcher, Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, erst auf Platz 29. Sie hält Mandate in den Kontrollgremien Infineon, Allianz und BMW. Insgesamt liegt die Frauenquote in den Anteilseignermandaten mit 15,6 Prozent nur bescheidene zwei Prozent höher als im Vorjahr; von 256 Posten sind nur 28 mit 25 Frauen besetzt. Rechnet man die Arbeitnehmerseite hinzu, legt der Frauenanteil erheblich zu, genaue Zahlen dazu nannte die DSW nicht. Exemplarisch ist in diesem Zusammenhang Siemens: Vier von zwanzig Aufsichtsräten sind Frauen, nur eine jedoch auf der Anteilseignerseite. Etwas besser steht es in Sachen Diversity beim Blick auf die Internationalität. 71 Mandate und damit rund 28 Prozent halten AusländerInnen, überwiegend aus Europa und den USA.

Arbeitnehmer ohne finanzielles Eigeninteresse

Die ArbeitnehmerverteterInnen in den Aufsichtsräten verbessern übrigens nicht nur den Frauenanteil, sondern treffen ihre Entscheidungen auch unabhängig vom Vergütungssystem. Ihre Bezüge nämlich gehen bis auf eine geringe Aufwandsentschädigung in die gemeinnützige Hans Böckler-Stiftung.