Abschied vom Standort Deutschland?

Oktober 27, 2011 0 Von Jan Eggers

Der Rundbrief von NSN-CEO Rajeev Suri zu den Zahlen des dritten Quartals stößt auf Kritik der Arbeitnehmerseite: „Recht inhaltslose Sätze“ und McKinsey-Sprache“ macht der Gesamtbetriebsrat aus, die letztlich statt überzeugender Ansätze nur eine Neuauflage bereits früher gescheiterter Maßnahmen ankündigen.

Transformation nach unten?

Eine „Transformationsphase“ soll laut Suri wieder einmal die lang ersehnte Kehrtwende einleiten. tatsächlich handelt es sich aus Arbeitnehmersicht dabei um eine weitere Drehung der Abwärtsspirale am Standort Deutschland. Wesentliche Informationen zu aktuellen Themen fehlen, und selbst zur Strategie ist nichts zu erfahren, wie der Gesamtbetriebsrat in einem Brief an die Beschäftigten feststellt: „Wenn es künftig eine NSN Strategie geben sollte, dann kennt sie nur McKinsey.“

Erfolglose Restrukturierungen

Vom bei der Trennung von Siemens angekündigten Start in eine neue Kultur ist auch nach gut vier Jahren noch nichts zu bemerken. Die Erfolge der vielgerühmten Beweglichkeit bleiben aus, statt dessen blickt NSN in Deutschland auf eine endlose Reihe von Verkleinerungen und Ausgliederungen zurück – während das Personal weltweit um über 20 Prozent anwuchs. Das erhoffte Ergebnis der massiven Restrukturierungen jedoch blieb aus, im Gegensatz zu den Wettbewerbern schreibt NSN weiter Nettoverluste.

Erst Talfahrt, dann Schrumpfkur

Die Ankündigung weiterer Ausgliederungen erscheint unter diesem Licht äußerst zweifelhaft, zumal solche Maßnahmen, so der Gesamtbetriebsrat, eher hilflos als strategisch wirken: „Portfolio-Entscheidungen geht bei NSN in der Regel Missmanagement voraus. Der Talfahrt wird lange Zeit tatenlos zugesehen, während dann der Break Even kurzfristig erreicht werden soll.“

10-Punkte-Plan des Gesamtbetriebsrats

Dem nun angekündigten „weiteren Schritt in die falsche Richtung“ stellt der Gesamtbetriebsrat vor diesem düsteren Hintergrund einen eigenen 10-Punkte-Plan entgegen, der unter anderem den Verzicht auf externe Berater, eine Neuausrichtung mit adäquatem Management auf allen Führungsebenen, ein to-End-Portfolio als Unternehmensstrategie und den Wechsel der unternehmerischen Führung von Nokia zu Siemens in den Mittelpunkt stellt.