Gewerkschaftsrechte auch im Ausland

November 11, 2011 0 Von Jan Eggers

Während es bei den meisten deutschen Konzernen mittlerweile zum guten Ton gehört, sich zur Freiheit gewerkschaftlicher Betätigung zu bekennen, herrschen bei Töchtern im Ausland oft andere Sitten. In den USA etwa kämpfen viele Unternehmen mit allen Mitteln gegen Gewerkschaften. Die IG Metall setzt sich dafür ein, dass die deutschen Zentralen korrigierend eingreifen.

Traditionell gegen Gewerkschaft

Ein aktuelles Beispiel in den USA, wo Anwaltskanzleien unverblümt mit ihrer Kompetenz zur Erhaltung einer „gewerkschaftsfreien Umgebung“ auf Kundenfang gehen, ist der deutsche Thyssen-Krupp-Konzern. Er weihte im Dezember 2010 in Calvert im US-Bundesstaat Alabama ein neues Stahlwerk ein.

In anderen US-Südstaaten liegen unter anderem US-Werke von BMW (Spartanburg/ South Carolina), Daimler (Tuscaloosa/ Alabama) und Volkswagen (Chattanooga/ Tennessee), hinzu kommen Werke vieler Zulieferer wie Conti und Schaeffler. Gerade die Südstaaten des USA sind in ihrer Gesetzgebung und in der politischen Kultur traditionell gegen Gewerkschaften ausgerichtet: Tarifverträge gibt es selten, die Stundenlöhne in der Automontage liegen mit etwa 15 US-$ weit unter denen in der alten Autometropole Detroit.

Geschäftsidee „Union Busting“

Die durch die Wirtschaftskrise ohnehin geschwächten US-Gewerkschaften müssen sich in den US-Südstaaten mit rüden Methoden des „Union Busting“ auseinandersetzen. Machen sie gewerkschaftliche Organisierungsversuche aus, greifen viele Unternehmen auf teure Anwälte und Berater zurück, um ihre Betriebe gewerkschaftsfrei zu halten.

Bei Thyssen-Krupp in Alabama führt die amerikanische Stahlarbeitergerwerkschaft United Steelworkers (USW) seit langem eine Organisierungskampagne durch. Damit bereitet sie die gesetzlich vorgeschriebene Abstimmung vor, bei der die Beschäftigten in Alabama entscheiden, ob sie gewerkschaftlich vertreten werden wollen – im Dezember ist es soweit.

Klarer Neutralitätsverstoß

Die Thyssen-Krupp-Werksleitung hat gegen die Organisierung bereits massiv Stellung bezogen. Der deutsche Leiter warnte in einer vom „Handelsblatt“ zitierten Mitteilung die „lieben Team-Mitglieder“ vor der Gewerkschaft: „Auch wenn die Wahl letztlich Ihnen überlassen ist, bitte unterschreiben Sie diese Gewerkschaftskarten nicht.“ Neutralität sieht anders aus.

Die IG Metall kritisiert derartige Methoden in den deutschen Aufsichtsräten betroffener Unternehmen. So auch bei Thyssen-Krupp, wo der zweite IG Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist. Sie will ein Fairness-Abkommen mit der Konzernspitze, damit sich das Unternehmen neutral verhält und nicht gegen die US-Gewerkschaften agitiert.

Hiesinger: „weder Zwang und Einschüchterung“

Der frühere Siemens-Vorstand und jetzige Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger mag so weit nicht gehen, bekennt sich aber laut „Handelsblatt“ in einem Brief dazu, im Zusammenhang mit gewerkschaftlicher Organisierung „weder Zwang und Einschüchterung zu betreiben, noch die Beschäftigten zu bedrohen“; dies werde er auch dem Management in Alabama klar mitteilen.

IG Metall-Team in Alabama

Die IG Metall wird nun ihrerseits ein eigenes Team nach Alabama schicken, um die Situation vor Ort zu untersuchen. Treten dabei zwielichtige Methoden und Verstöße gegen die gewerkscahftliche Betätigungsfreiheit zutage, so Wetzel, „wird eine extrem schwierige Situation entstehen“.